Amed Sherwan

In Köln soll der Muezzin künftig einmal pro Woche öffentlich zum Gebet rufen. Das ist kein Zeichen einer drohenden Islamisierung.

 

Der Ruf des Muezzins weckt in mir unangenehme Erinnerungen. Daher verstehe ich den Impuls vieler Ex-Muslim*innen, gegen die Entscheidung der Stadt Köln zu wettern. Trotzdem ärgert mich diese Debatte. Denn statt notwendiger inhaltlicher Kritik an Islamverbänden zu formulieren, werden pauschale Angst und Ressentiments geschürt.

Irakisch-Kurdistan gilt als einer der sichersten Orte im Mittleren Osten. Das bedeutet aber leider nicht, dass alle Menschen dort in Sicherheit leben. Im Gegenteil. Für queere Menschen wird es jeden Tag gefährlicher. Rechte Gruppen dominieren die öffentliche Debatte. Vereine, die sich mit queeren Menschen solidarisch zeigen, riskieren ihre Zulassung. Familien sind aufgefordert, queere Angehörige unter Druck zu setzen. Religiöse Gruppen fordern nicht nur Umerziehungs-, sondern auch Auslöschungsmaßnahmen. Und polizeiliche Kontrollen schränken die wenigen Freiräume ein.

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Ich habe gerade meine erste Demo angemeldet und habe mich selten so ernstgenommen gefühlt wie bei der Besprechung mit dem Ordnungsamt und der Polizei.

Vor 5 Tagen hat ein Paar in einem Café in Silêmanî spontan einen wunderschönen Tanz hingelegt. Silêmanî ist ein modernen Ort, an dem das eigentlich nichts Ungewöhnliches ist. Doch der Tanz ist gefilmt und ins Netz gestellt worden. Keine Stunde danach sind die ersten wütenden Stellungsnahmen islamistischer Gruppen und Parteien und Drohungen gegen die Betreiber des Cafés und das Paar aufgetaucht. Die Stimmung hat sich sehr schnell aufgepeitscht. Das Paar hat sich öffentlich dafür entschuldigt, die religiösen Gefühle zu verletzen.

In Deutschland scheinen rechte Kreise die Kritik am Islam für sich gepachtet zu haben. Viele Ex-Muslime scheinen damit keine Probleme zu haben.

 

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Liebe Jana (22) aus Kassel,

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Bildquelle: Association "Je suis France"

 

Ganz Frankreich wurde angegriffen? Nein, wir alle wurden angegriffen! #JesuisFrance.
Denn alle Menschen weltweit, die für Meinungsfreiheit und demokratische Werte einstehen, sind gemeint.

Offener Brief an die Angestellten der Polizeistation Rasti und des Frauen- und Jugendgefängnis in Erbil

 

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Ihr werdet euch nicht an mich erinnern, ich aber werde meine Erinnerungen an euch nicht los. Die Nacht mit euch ist in mein Gedächtnis eingebrannt.

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 »Warum ist eine Propaganda, die an den Hass appelliert, so ungleich erfolgreicher als irgendein Versuch, freundschaftliche Gefühle zu erwecken?«

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(Anti-Gewalt Kampagne in Irakisch-Kurdistan, Bildquelle: Wadi) 

 

»Hey, du musst keine Angst vor mir haben«, ruft mir gestern ein Mann hinterher, als ich an ihm vorbei zum Bus renne. Ich drehe mich um und erkenne den Typen, der mich in der Vergangenheit bedroht hat, weil ich ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Kafir« getragen habe und mir gesagt hat, dass ich das Viertel nicht mehr betreten sollte.

Jedes verlorene Menschenleben hinterlässt bei den Angehörigen eine schmerzhafte Lücke. Jeder Tod erinnert auch Außenstehende daran, wie verletzlich der menschliche Körper ist und wie kurz das Leben. Und wenn viele Menschen auf einmal sterben, trifft es die meisten mit einer großen Wucht. So ist es gerade in Mossul passiert, wo über hundert Menschen bei einem Fährunglück ertrunken sind – Menschen, die fröhlich Newroz gefeiert haben und sich auf das neue Jahr gefreut haben – jetzt feiert in der Umgebung niemand mehr.

Meinungsfreiheit ist mein Fluchtgrund! Ich bin nach Deutschland geflüchtet, weil meine Meinungsäußerungen mich in meiner alten Heimat in Lebensgefahr gebracht haben.