Am 16. Mai 2026 jährt sich der Beginn der »Großen Proletarischen Kulturrevolution« zum 60. Mal. In der Volksrepublik verurteilt die Kommunistische Partei die Bewegung, will aber keine weitere Aufarbeitung. Liberale Medien in den USA haben derweil eine Obsession für Analogien zur chinesischen Kulturrevolution entwickelt, um Donald Trump zu attackieren.
Lenins Konzept der Partei als Avantgarde von Berufsrevolutionären inmitten dumpfer Massen verlockt den akademischen Nachwuchs der Geistes- und Sozialwissenschaften offenbar stets aufs Neue. Doch nicht Marx, sondern dessen Widersacher Bakunin (der sich schon zu Lebzeiten als »Gottgesandten« bezeichnete) steht die geistige Patenschaft für den Bolschewismus zu.
Julia Lovell hat eine monumentale Studie über die Weltgeschichte des Maoismus vorgelegt. Sie erzählt von der Entstehung einer Lehre, die mit ihrer maßlosen Anbetung von Willenskraft und Gewalt nicht nur China prägte, sondern auf der ganzen Welt auf Begeisterung stieß: beim Jetset wie im Urwald.