Die Konferenz »Marx 200« der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Ein Ständchen für Marx

Raucherecke Von

Irgendwie angenehm ging es zu auf dem mehrtägigen Vortrags- und Workshopmarathon »Marx 200 – Politik, Theorie, Sozialismus«. Organisiert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung fand der »Kongress zum 200. Geburtstag von Karl Marx« (so der Untertitel der Veranstaltung) im Berliner Stiftungssitz statt, dem Verlagsgebäude Neues Deutschland. Einzelne Veranstaltungen heißen »Mit der Arbeit beginnen – aber wie?« oder »Von der Marx’schen Kritik der politischen Ökonomie zur Analyse der konkreten Situation – aber wie?« Dank rigoroser Anmeldepraxis und harter Tür wirkte die Veranstaltung zwar gut besucht, aber nicht überfüllt.

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Während der Pausen füllte sich der quadratische Innenhof langsam mit rauchenden, small talk haltenden oder Club Mate trinkenden Kongressteilnehmenden. Sie waren aus aller Welt angereist, aus Köln und Kapstadt, Warschau und Würzburg. Gebrochenes Englisch war die lingua franca. Der Innenhof bot Sonne, Schatten, leichten Wind und den Charme eines sozialistischen Betonbaus aus den späten sechziger Jahren und war während des Kongresses mit Biertischen bestückt. Hier konnten sich die vielen Teilnehmenden in Ruhe unterhalten – über die Situation der historischen Materialismus an deutschen Universitäten, aber auch über die Berliner Wohnungsnot und Clublandschaft.

An einem der Biertische diskutierten drei an ihren dezenten orangenen Nylonbändern und Namensschildern erkennbare Mitglieder des Organisationsteams ihre persönlichen Highlights der Veranstaltung. Für den jungen Mann mit Brille und blondem Bart war es eindeutig das Geburtstagsständchen für Karl Marx, das die ­Literaturwissenschaftlerin Gayatri Spivak vor ihrem Vortrag vorgetragen hatte. Das Lied habe, so Spivak, die Kommunistische Partei Indiens vor genau 100 Jahren zum 100. Geburtstag von Marx komponieren lassen. Gefallen hatte dem jungen Mann auch die Veranstaltung zu den »Ansatzpunkten einer historisch-materialistischen Analyse des digitalen Kapitalismus«, bei der die Auswirkungen von Digitalisierung und Automatisierung äußerst kontrovers diskutiert worden seien. Seine Kollegin, eine junge Frau in Batik-T-Shirt und schwarzem Latzrock, wirkte etwas betrübt. Wegen der vielen organisatorischen Aufgaben sei sie kaum dazu gekommen, auch einmal eine Veranstaltung anzusehen. »Dafür habe ich heute abend Zeit für das Podiumsgespräch mit Bini Adamczak im Hebbel-Theater«, sagte sie und strahlte auf einmal wieder über das ganze Gesicht – und bei der Erwähnung der kommunistischen Theoretikerin leuchteten auch wieder ihre Augen.