Dienstag, 16 Mai, 2017; 14:14 Uhr

Erst die Zeitungen, dann die Verlage

Von
Thomas von der Osten-Sacken

Eine Erklärung von Christoph Links zur Erstürmung des Belge verlages in Istanbul:

"In der vergangenen Woche ist in Istanbul der Belge-Verlag von der Polizei gestürmt und durchsucht worden. Mehrere Mitarbeiter wurden vorübergehend verhaftet. Mehr als 2.000 Exemplare verschiedener Bücher sind beschlagnahmt worden. Juristische Strafen sollen folgen. 29 Buchverlage sind in der Türkei im letzten Jahr bereits verboten worden.

Der vor 40 Jahren gegründete Belge-Verlag ist auf historische Sachbücher spezialisiert und hat in der Vergangenheit immer wieder politische Tabus gebrochen. Er veröffentlichte Werke über die Gräueltaten der Militärs in kurdischen Dörfern in den 1990er Jahren, über die Vertreibung der Pontos-Griechen von der anatolischen Schwarzmeerküste und über den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges. Im Moment bereitet er gerade die türkische Ausgabe des Buches von Jürgen Gottschlich 'Beihilfe zum Völkermord' vor, in dem es um Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich geht. Auf der Buchmesse in Istanbul im vergangenen November konnte der Übersetzungsvertrag dazu geschlossen werden.

Wir protestieren gegen die Verfolgung kritischer Verleger in der Türkei und erklären unsere Solidarität mit dem Belge-Verlag und allen engagierten Kollegen, die sich der Meinungsfreiheit verpflichtet fühlen."