Jörn Schulz

chaos

Es sind nicht immer die skandalösesten Sprüche, die am meisten über einen Politiker aussagen. Erhellender kann es sein, wenn er sich als Philosoph versucht.

Es sind nicht immer die skandalösesten Sprüche, die am meisten über einen Politiker aussagen. Erhellender kann es sein, wenn er sich als Philosoph versucht. „Wir wollen eine ordentliche Balance zwischen Humanität und Ordnung“, postete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder kürzlich auf Facebook.

larifari
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Archiv 2. Juni

 

In einem düsteren und feuchten Gewölbe, dessen Attraktion eine verrostete Druckmaschine ist, von einer glühenden Verehrerin Stalins ausführlich über dessen große Taten und die Untaten des derzeit in Georgien herrschenden „faschistischen“ Regimes belehrt zu werden, ist ein bizarres Erlebnis. Wenn Sie nach Tiflis reisen, sollten Sie dennoch das „Joseph Stalin Underground Printing House“ besuchen.

Sowjetische Technik ist ausgesprochen robust. Die Kalaschnikow beispielsweise feiert nächstes Jahr ihren 70. Geburtstag, konnte sich aber auf einem hart umkämpften Markt bis heute behaupten. Mit der Soyuz-Rakete, die seit 1966 startet, fliegt noch heute alle Welt in den Orbit. Das sind beruhigende Gedanken, wenn man sich in einen sehr engen, niedrigen und dunklen sowjetischen Fahrstuhl gezwängt hat, der zumindest seinen 40. Geburtstag hinter sich haben dürfte und rumpelnd das 14. Stockwerk zu erreichen versucht.

Wenn man wissen will, worum es den Veranstaltern der Buchmesse wirklich geht, sollte man hier schauen: "Treffen Sie die Key-Player, Vordenker und aufstrebenden Startups der Branche und tauschen Sie sich zu neuen Ideen aus. Unsere kreativen Matchmaking-Konzepte bringen Sie mit Ihren zukünftigen Geschäftspartnern ins Gespräch.

Seit vielen Jahren blieb unklar, was es eigentlich mit der deutschen Leitkultur auf sich hat. Es ist schließlich nicht so, dass es anderswo keinen patritiotischen Stumpfsinn gäbe. Und dennoch, man hat es immer geahnt, gibt es das da etwas Spezifisches, das selbst den kleingeistigsten Vaterlandsverehrern anderer Nationen peinlich wäre. Nun aber hat ein Sprecher der Deutschen Bahn die deutsche Leitkultur treffend in einem Satz zusammengefasst:

"Es geht nicht, dass ein Mülleimer durcheinandergebracht wird."

Nein, da geht es ausnahmsweise nicht um Politik, das war eine Anweisung beim diesjährigen Extremsport im Selbstversuch. Worum es sich da handelt, erfahren Sie am 14. September. An dieser Stelle sei nur verraten, dass ich froh über meine Entscheidung bin, mein Motto „and definitely no sports“ einmal ignoriert zu haben und wir einer Meute wilder Hunde entkommen konnten. Es gelang uns auch, das Dorf Lazarat, das als Zentrum des Cannabisanbaus in Albanien gilt, ohne Einschusslöcher an unserem Mietwagen zu passieren.

„Fuck the Police“ - das war die Reaktion einiger junger Albanerinnen und Albaner auf den Abbruch des – übrigens sehr guten – Konzerts von Sunday Stories auf polizeiliche Anweisung. Nicht einmal mehr einen Song durfte die Band noch spielen, und es war noch nicht einmal 23 Uhr. Einige Bier später wurden wir auf dem Rückweg aus unbekannter Quelle in einem Park mit über hunderte Meter zu hörender schlechter Musik beschallt – also, nicht nur wir, sondern ein ganzer Stadtteil.

Man kann darüber streiten, ob Tirana eine schöne Stadt ist. Es gibt keine pittoreske Altstadt und keine grandiosen Monumente (Erdogan lässt allerdings eines errichten, eine gewaltige Moschee im ja eigentlich reizvollen Istanbuler Kuppelstil). Gerade das Chaotische, Improvisierte, bisweilen Unbeholfene verleiht der Stadt aber einen gewissen Reiz - ein wenig Denkmalschutz könnte allerdings nicht schaden. Die Stadt ist ungeplant gewachsen, was natürlich einige Infrastrukturprobleme aufwirft, so gibt es in einigen Stadtteilen Probleme mit der Wasserversorgung.

Wer sich bei Facebook herumtreibt, hat vermutlich schon etwas vom „Ordnungsversuch für die deutsche Medienlandschaft“ gehört, den der fake think tank polisphere veröffentlicht hat. Dass dort gedacht wird, erscheint als eine allzu wagemutige Behauptung, für die keinerlei Belege vorliegen.

Trumpology? In der Zeit des Kalten Krieges waren die Pläne, aber auch die Machtstrukturen der sowjetischen Führung ein gut gehütetes Geheimnis. Die sowjetischen Medien folgten eher einem no news- als einem fake news-Konzept, waren aber für die politische Analyse nicht sehr ergiebig, sofern man auf die übliche Weise nach Informationen suchte. Deshalb enstand die Kremlinology, die durchaus Erkenntnisse bringen konnte.

Die schlechten Nachrichten zuerst. Aber mit welcher anfangen? Vielleicht mit einer, die man eigentlich eher als gute Nachricht werten könnte: „Presidents keep their campaign promises.“ Barack Obama hat 45 Prozent seiner Wahlversprechengehalten, bei weiteren 26 Prozent wurde ein Kompromiss erzielt.