Dienstag, 13.02.2018 / 11:26 Uhr

»Knud gegen Böse«, Teil vier - Braucht man Duschgel im Dschungel?

Von
Knud Kohr

Guten Tag,


Sie werden sich vielleicht erinnern: In meinem letzten Blog-Beitrag wollte ich eigentlich erläutern, warum ich mich vor einigen Wochen entschied, der übernächste kommende Starblogger in spe im glasharten Social-Media-Dschungel zu werden. Allerdings musste ich mir schnell eingestehen, dass ich von dieser Art des Lebens keine Ahnung hatte Braucht man Duschgel im Dschungel? Und wie hart ist eigentlich Glas?

Es wurde also als erstes Zeit zu recherchieren, an welchen Vorbildern ich mich orientieren konnte. Recherche liegt mir nämlich eigentlich im Blut. Schon seitdem ich als Schüler im Lichtenberg-Gymnasium Cuxhaven erste Erfahrungen als Besserwisser machte. Kaum hatte ich mein Abitur-Zeugnis in der Tasche, saß ich auch schon im Zug nach Berlin, wo mich seitdem niemand mehr wegbekam. Langfristig jedenfalls.

Gut, nachdem die Mauer gefallen war, leistete ich drei Jahre in Prenzlauer Berg meinen Wiedervereinigungsdienst ab. Aber das tat damals eigentlich jeder. Es folgten knapp zwanzig Jahre Journalismus, der mich u. a. in 46 Länder auf fünf Kontinenten führte Aber das erwähnte ich bereits. Ebenso, dass ich eigentlich immer entweder an einem neuen Buch oder einem neuen Film schrieb. Dass nebenbei das Internet immer wichtiger wurde, bekam ich lange Zeit nur am Rande mit.

Wichtig wurde mir die digitale Welt eigentlich erst, als ich aufgrund meiner MS-Erkrankung viel lieber am Computer saß, als ständig an einer Zeitung rumzublättern. Aber jetzt sitze ich schon seit einer Stunde an diesem Text. Bevor ich nun also demnächst wieder blöd im Kopf werde, wende ich mich also subito dem Alltag der Blogger-Konkurrenz zu.

Die besten Hinweise auf ein gelungenes Blogger-Leben fand ich in einem Podcast der Zeit. Vor einigen Tagen widmete der sich nämlich in seiner gesamten, halbstündigen Länge einem Berliner Modeblog namens »Dandy Diary«. Studiogast war einer der beiden Dandys, der außerhalb des Computers auf den Namen Carl Jakob Haupt hört. Fand ich schon mal gut. Vor allem deshalb, weil es scheinbar nur einen Carl Jakob Haupt gibt.

 

Bestimmt erwähnte ich ja schon, dass es auf der ganzen Welt nur einen einzigen Knud Kohr gibt.

 

Der Epileptiker aus dem dritten Stock etwa erwidert meinen Gruß nur, wenn er sich nicht zur Sicherheit hinter seinen vorgehaltenen Händen verstecken muss. Zwei Eingänge neben mir wohnt mein derzeitiger Lieblingsheld. Begleitet von einer Betreuerin übt er manchmal Gehen.

 

Nun gut. Haupts Alltag scheint vorrangig darin zu bestehen, dass er morgens aufwacht, sich sein Laptop heranzieht und bloggt. Gern auch mal in Unterhose und im Liegen. Ich sitze vollständig bekleidet im Handrollstuhl am Computer. In einer Stunde werde ich zur Physiotherapie in der Schlossparkklinik aufbrechen. Bis dahin wird mich aber niemand von meinem Computer wegbekommen. Wäre ja auch viel zu anstrengend für mich, allein die Hose auszuziehen.

Mittags lässt Haupt sich gerne von Kunden oder Kollegen zum Essen einladen.

Dann sitzt er wieder am Computer, bevor er am Abend auf Partys oder sonstigen Veranstaltungen auftaucht, die er nicht selten selbst organisiert.

So, meine Damen und Herren. Während der letzten beiden Zeilen habe ich mich drei Mal verschrieben. Und in einer Stunde sollte ich meinen E-Scooter satteln. Wahrscheinlich werde ich noch eine halbe Stunde vor der Tür an der Straße rumlungern. Da in meinem Haus etliche Behinderte leben, werde ich wohl vor meinem Aufbruch zur Schlossparkklinik einige Gespräche führen, die die meisten von Ihnen gar nicht als Gespräche identifizieren würden.

Der Epileptiker aus dem dritten Stock etwa erwidert meinen Gruß nur, wenn er sich nicht zur Sicherheit hinter seinen vorgehaltenen Händen verstecken muss.

Zwei Eingänge neben mir wohnt mein derzeitiger Lieblingsheld. Begleitet von einer Betreuerin übt er manchmal Gehen. Aber nur einige Schritte. Das Auto, aus dem man ihn vor vier Jahren heraus schweißen musste, sah aus... als ob...

Meine Damen und Herren, ein eleganter Schuss fällt mir einfach nicht mehr ein.

 

Wir lesen uns wieder.