Blogeinträge von Jungle World

Dienstag, 27.02.2018 / 18:08 Uhr

Die braune Mitte - Audiomitschnitt

Von
Jungle World
BM

 

Die Parlamentswahlen in Österreich im Oktober 2017 verdeutlichten die Stärke der extremen Rechten, die FPÖ gewann knapp 26 Prozent der Stimen. Aber auch die konservative ÖVP und die sozialdemokratische SPÖ bestritten den Wahlkampf mit rechter Rhetorik vor allem gegen Geflüchtete. Es folgte die Bildung einer Koalitionregierungs von ÖVP und FPÖ. Sie trifft, anders als die schwarz-blaue Koalition vor 17 Jahren, in Österreich und der EU kaum auf Widerstand. Es gilt nunmehr als normal.

Was droht in Österreich unter einer schwarz-blauen Bundesregierung?

 

Audiomitschnitt der Podiumsdiskussion »Die braune Mitte« vom 25. Februar im Festsaal Kreuzberg, Berlin

 

Mit: Robert Misik (Journalist); autonome antifa wien; Bernadette Schönangerer (Malmoe Zeitung) und Jörn Schulz (Jungle World)



Moderation: Julia Hoffmann (Jungle World)

 

 

Die letzten zwei Ausgaben mit Schwerpunkt Österreich:

Österreich bleibt am Ball (08. Februar 2018)

Die braune Mitte (12. Oktober 2017)

 

Sonntag, 10.09.2017 / 12:21 Uhr

Happy Birthday, Deniz!

Von
Jungle World
Happy birthday

Es gab Bier, Raki und Geschenke für das Geburtstagskind – vor zwölf Jahren hat die Jungle World den Geburtstag ihres damaligen Redakteurs Deniz Yücel gefeiert. Auf einer Dachterrasse in Istanbul. Wir produzierten dort unsere Auslandsausgabe. Wer schon mal mit Deniz gefeiert hat, wird sich nicht darüber wundern, dass die Erinnerung an diese Nacht nicht nur wegen der seitdem verflossenen Zeit ein wenig verschwommen ist. Aber natürlich haben wir nicht nur unablässig Raki-Gläser nachgefüllt. Deniz verschaffte uns damals Einblicke, Kontakte, Texte von Autorinnen und Autoren, die wir ohne ihn niemals bekommen hätten. „A la Turka“ bedeutete damals noch etwas anderes; die Hoffnung, dass in der Türkei die autoritäre Tradition überwunden werden kann, war groß. Mittlerweile herrscht in der Türkei wieder ein autoritäres Regime.

Deshalb sitzt Deniz seit über 200 Tagen im Knast. Seinen 44. Geburtstag muss er heute hinter Gittern verbringen. 2005 schrieb er über die Rolle der Deutschtürken im Bundestagswahlkampf. Jetzt ist er selbst unfreiwillig zum Wahlkampfthema geworden. Ein Trost ist das nicht. Wir mussten uns schon damit abfinden, dass Deniz nur noch selten Zeit hatte, für uns zu schreiben. Aber wir werden uns nicht damit abfinden, dass er eingesperrt ist. Er fehlt uns als Freund. Und zum Anstoßen. Wenn er endlich wieder frei ist, wird man das Klirren der Gläser noch in Erdogans Palast hören können.

 

Free Deniz und alle in der Türkei inhaftierten Journalistinnen und Journalisten!

 

Donnerstag, 01.12.2016 / 10:54 Uhr

Aleppo: "Das Ausmaß der Angriffe ist beispiellos"

Von
Jungle World

Seit vergangener Woche bombardiert das syrische Regime mit Hilfe von Russland den Ostteil Aleppos. Infolge der mehrtägigen Luftangriffe gibt es kein funktionierendes Krankenhaus mehr. Volker Westerbarkey, Präsident der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen (MSF), im Gespräch mit Julia Hoffmann. 

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es in Ost-Aleppo seit Sonntag kein funktionierendes Krankenhaus mehr.
Wir hatten Kontakt zu acht Krankenhäusern im Ostteil von Aleppo. Von vier wissen wir, dass sie nach den letzten Angriffen zerstört sind und nicht mehr funktionieren. Mit den anderen haben wir keinen Kontakt mehr. In der momentanen Situation können die Verletzten also nicht mehr behandelt werden. Auch für sonst anfallende Probleme wie eine Blinddarmentzündung, eine Geburt oder eine Lungenentzündung gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten mehr. Das bedeutet, dass Menschen sterben werden, nicht nur durch die Bombenangriffe, sondern auch durch die fehlende medizinische Versorgung.

Wie steht es um die sonstige Infrastruktur in Aleppo?
Alles ist auf Generatoren angewiesen, die Strom produzieren, um in Krankenhäusern Geräte zu betreiben oder auch für sauberes Trinkwasser. Die Treibstoffversorgung ist momentan auf vier Stunden pro Tag begrenzt, weil die Vorräte langsam zu Ende gehen. Es gibt also nur vier Stunden pro Tag Elektrizität und sauberes Wasser. Doch auch diese Reserven werden bald zu Ende gehen und dann wird es ein noch viel größeres Problem geben, wenn die Leute kein sauberes Trinkwasser mehr haben. Leider haben wir keinen Zugang zum Rest der Stadt, also zu den von der Regierung kontrollierten Gebieten in Westaleppo. Trotz unserer Anfrage haben wir keine Erlaubnis dort zu arbeiten. Wir gehen aber davon aus, dass die Situation dort auch problematisch ist.

Was machen ihr Kolleginnen und Kollegen in Aleppo nun?
Die syrischen Kollegen machen das, was sie in den letzten Jahren immer gemacht haben. Sie versuchen sich zurückzuziehen, in Keller oder Privathäuser, um dort noch das Mindeste zu tun. In den Krankenhäusern selbst ist keine medizinische Arbeit mehr möglich. Wir hoffen, dass die Leute es schaffen, sichere Ort zu finden, um dort ein Minimum an medizinischer Versorgung aufrechtzuerhalten. Aus Sicherheitsgründen wird aber natürlich nicht kommuniziert, wo sich alternative Behandlungsorte genau befinden.

Seit mehreren Monaten gibt es Angriffe auf die medizinische Infrastruktur. Sind diese Angriffe gezielt?
Die Anzahl der Angriffe ist erschreckend. Seit Beginn der Belagerung Aleppos im Juli gab es 33 Angriffe auf medizinische Einrichtungen, von denen wir wissen. Die Frage, ob das gezielt war oder nicht, stellt sich aber nicht. Es ist ein Verstoß gegen das internationale Völkerrecht, weil Krankenhäuser und Zivilisten geschont werden müssen. Daher ist jeder Angriff auf ein Krankenhaus ein Verstoß gegen internationales Recht, der untersucht werden muss.

Kennen Sie Beispiele aus ihrer Arbeit, wo Angriffe auf Krankenhäuser jemals in diesem Ausmaß Teil einer Strategie waren?
In diesem Ausmaß kennen wir es nicht. Letztes Jahr im Oktober wurde unser Krankenhaus in Kunduz von den US-Streitkräften in Afghanistan angegriffen. Das Krankenhaus, das für über eine Million Menschen eine Anlaufstelle war, wurde komplett zerstört. Auch im Jemen gibt es immer wieder Luftangriffe auf Krankenhäuser von der saudi-arabisch geführten Koalition. Aber das Ausmaß, das wir momentan in Syrien sehen, ist beispiellos.

Wie sieht Ihre Arbeit im restlichen Syrien aus?
Im Norden von Syrien, der von den Kurden kontrolliert wird, haben wir sechs eigene Kliniken und arbeiten dort eng mit den lokalen Behörden zusammen. Gerade haben wir das Krankenhaus in Kobane wieder aufgebaut. Außerhalb dieser Gebiete können wir nicht selbst aktiv sein. Große Sorge bereitet uns auch das Gebiet an der Grenze zu Jordanien, wo mehrere Zehntausend Menschen ohne medizinische Versorgung sind und wo sich Krankheiten wie Masern oder Keuchhusten sprunghaft ausbreiten. Auch dort kommen wir aber aus Sicherheitsgründen nicht hin.

Den seitens der UN vorgeschlagenen Autonomiestatus für Ost-Aleppo lehnte der syrische Außenminister Walid al-Muallim kürzlich ab. Wie geht es nun weiter?
Wir sehen keinen Anhaltspunkt für eine Bewegung in diesem Konflikt. Konflikte wird es ja immer geben. Aber in diesem Fall ignorieren wirklich alle Akteure, was Menschlichkeit und Hilfe bedeuten. Unter der Voraussetzung, dass alle Konfliktparteien ihre Interessen ohne Rücksicht durchsetzen wollen, ist die Situation ziemlich ausweglos.