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Bei Anne Will diskutierte am Sonntag unter anderem der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz die Sinnhaftigkeit der angekündigten Wiederkandidatur Angela Merkels. Maaz beschritt in seiner Argumentation einen Weg, der von der familialistischen Deutung deutscher Politik („Die Männer verstecken sich hinter Mutti“) über eine eigenwillige Ausweitung des Populismusbegriffs direkt zu einer Apologie von Pegida und AfD führte („Ich halte den Protest in diesem Land für sehr gut“).

Der Tag beginnt wie die anderen davor, mit einer Mischung aus wachsender Angst und einer Hoffnung, die man sich kaum zu benennen traut. Ich schicke eine zweite Akkreditierungsanfrage für die Wahlparty der Demokraten, Betreff: „Pretty please“, poste meine Sorgen auf Social Media, finde Bestätigung und fühle mich weniger allein, aber ich schwitze noch. (Vielleicht, weil es heute so warm ist?)

Die schlechten Nachrichten zuerst. Aber mit welcher anfangen? Vielleicht mit einer, die man eigentlich eher als gute Nachricht werten könnte: „Presidents keep their campaign promises.“ Barack Obama hat 45 Prozent seiner Wahlversprechengehalten, bei weiteren 26 Prozent wurde ein Kompromiss erzielt.

Moskau, es ist Wahltag. Gewählt wird die Duma, schon die siebte in postsowjetischer Zeitrechnung. Wählen darf ich allerdings nicht. Das ist nicht nur eine Frage des Passes, sondern der Meldeadresse. Etwa zwei Drittel der volljährigen Einwohner der Megastadt haben offiziell ihren festen Wohnsitz an einem anderen Ort und verfügen bestenfalls über eine befristete Anmeldung. In dem Fall ist der Versuch sich in Moskau einen Wahlzettel zu erschleichen sinnlos.