Interview

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Interview Diedrich Diederichsen

»Diedrich Diederichsen Machen Schwänze Politik?«

Der Publizist, Pop- und Kunsttheoretiker Diedrich Diederichsen lehrt an der Merz Akademie Stuttgart und am Art Center Pasadena. In seinem Buch "Politische Korrekturen" (Köln 1996) hat er sich mit dem Kampf der US-amerikanischen und deutschen Rechten (und Linken) gegen PC befaßt und Vorschläge gemacht, wie man den Begriff Political Correctness produktiv und dekonstruktiv einsetzen könnte.

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Interview Michael Fürst

Eine Armee ist nie links

Die Bundeswehr - ein brauner Sumpf? Zu den Konsequenzen aus den Nazi-Skandalen in der Truppe äußert sich Michael Fürst vom Zentralrat der Juden. Fürst, Jahrgang 1947, gehört diesem Gremium seit 1980 an und ist für Kontakte zur Bundeswehr zuständig. Sein Vater überlebte das KZ Riga, dessen Eltern wurden dort ermordet. Fürst ist Rechtsanwalt und Notar und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Hannover.

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Interview Roland Appel

Ich habe keine Angst vor Neuwahlen

Zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Koalitionsjahren treffen sich die nordrhein-westfälischen Grünen zu einem Sonderparteitag, um über den Fortbestand des Regierungsbündnisses mit der SPD abzustimmen. Doch während es am 14. März 1996 in Hamm und am 19. April 1997 in Borken noch ums Prinzipielle ging, wird am 17. Januar 1998 in Jüchen nur noch eines zählen: der geplante Braunkohle-Tagebau Garzweiler II. Am 22. Dezember hatte das Bergamt Düren, das dem von Wolfgang Clement (SPD) geleiteten Wirtschaftsressort untersteht, den Rahmenbetriebsplan gebilligt, den die Rheinbraun, eine hundertprozentige Tochter des Energiemultis RWE, vorgelegt hatte. Der bergrechtlichen Genehmigung steht damit nichts mehr im Wege. Die Rheinbraun könnte ihre Schaufelradbagger in Stellung bringen, sobald die gewässerrechtliche Genehmigung erteilt ist. Doch für die ist das nordrhein-westfälische Umweltministerium zuständig - und das wird von der Grünen Bärbel Höhn geleitet. Kann Frau Höhn Garzweiler II verhindern oder doch nur verzögern? Und was bedeutet das für die Koalition? Roland Appel ist Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag.

Von Andreas Dietl mehr...
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Interview Klaus Grehn

»Knüppel aus dem Sack«

Seit dem ersten Januar unterliegen Arbeitslose einer verschärften Mitwirkungspflicht bei der Jobsuche. Wer die Auflagen des Arbeitsamtes nicht erfüllt, muß mit der Streichung der Bezüge rechnen. Klaus Grehn, promovierter Soziologe, ist Präsident des Arbeitslosenverbandes Deutschland. Der Verband hat rund 2 500 Beschäftigte, seine Hilfe wird jeden Monat von 120 000 bis 150 000 Menschen in Anspruch genommen.

Von Anton Landgraf mehr...
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Interview

Die »Lindenstraße« führt schon mal in die Realität

Der 1941 in Augsburg geborene Hans W. Geissendörfer verfilmte u.a. Thomas Manns "Zauberberg" (1982) und Patricia Highsmith' "Ediths Tagebuch" (1983).

Mit der ARD-Serie "Lindenstraße", die nicht zuletzt wegen ihres großen Realitätsbezugs immer wieder für Aufsehen sorgte, inszenierte er eine der erfolgreichsten deutschen Fernseh-Serien. Heute ist er mit seiner Firma Geissendörfer Film- und Fernsehproduktion Produzent der "Lindenstraße".

Von Ivo Bozic mehr...
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Interview Klaus Farin

Nur ein Drittel der Skins ist rechtsradikal

Klaus Farin, Jahrgang 1958, gilt als der beste Kenner der Skinhead-Szene. Nachdem er bereits in den vergangenen Jahren mehrere Bücher zum Thema publiziert hat, legte er jetzt ein umfangreiches Standardwerk vor: "Die Skins - Mythos und Realität" (Ch. Links Verlag, DM 39,90). Dazu hat er unter anderem eine Umfrage in der Szene durchgeführt, an der sich 400 Glatzen beteiligt haben. Die Ergebnisse sind überraschend.

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Interview Andrea Nahles

»Wir haben uns aus dem Fenster gehängt«

Zwischen allen Fronten standen die JungsozialistInnen (Jusos) am zweiten Tag des SPD-Parteitags in Hannover, nachdem Parteichef Oskar Lafontaine tags zuvor Vertretern der streikenden Studierenden Rederecht in der Halle 2 des Messegeländes zugesagt hatte. Hie die Studierenden, die vehement mehr Geld für Lebensunterhalt und Universitäten forderten - komme es, woher es wolle -, da die Partei, die gerade dabei war, Sinn für Realismus unter Beweis zu stellen, und die sichtlich bemüht war, weder die Studierenden zu vergrätzen, noch ausgerechnet über die Frage der Studienfinanzierung zu streiten. Andrea Nahles, geboren 1970, hat im Januar ihr Studium abgeschlossen (Magister in Germanistik und Politik). Seit 1995 ist sie Bundesvorsitzende der Jusos, im nächsten Jahr will sie für den pfälzischen Wahlkreis Ahrweiler/Mayen in den Bundestag einziehen.

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Interview Angela Marquardt

»Kniefall vor den WählerInnen«

Die Bundessprecherin der AG Junge GenossInnen spricht in Jungle World über das Wahlkampfthema Innere Sicherheit und die PDS. Die 26jährige ehemalige Hausbesetzerin mit den bunten Haaren war von 1991 bis 1997 Mitglied des Parteivorstands der PDS und zwei Jahre lang stellvertretende Parteivorsitzende. Auf dem Parteitag im Januar 1997 kandidierte sie nicht noch einmal für den Bundesvorstand. Zur Zeit arbeitet sie an einem Buch über Politik, neue Medien und Parteien. Ob sie, wie von Gregor Gysi und Lothar Bisky gewünscht, für den Bundestag kandidieren wird, hat sie noch nicht entschieden.

Von Ivo Bozic mehr...
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Interview Peter Neururer

»Ich wäre bereit, sofort wieder zu arbeiten - wenn’s paßt«

Einer von mehr als fünf Millionen Arbeitslosen, weil seit dem 1. Oktober nicht mehr Trainer, ist Neururer. Im Gegensatz zu den anderen Arbeitslosen ist der Mann, der es als einer der wenigen geschafft hatte, den Moderator Friedrich Küppersbusch sprachlos zu machen: "Sie waren in der Jungen Union?" - "Ja. Und?", dank der vom 1. FC Köln gezahlten Abfindung finanziell ganz gut abgesichert.

Das könnte ein prima Leben bedeuten, mit weiten Reisen in Länder mit Palmen und weißen Stränden oder fruchtigen Drinks am heimischen Pool oder ausgedehnten Einkaufsbummeln in den Metropolen dieser Welt, oder was auch immer. Statt dessen sitzt Peter Neururer an jedem Wochenende auf Fußballtribünen herum und sammelt Daten für sein selbstentworfenes Computerprogramm, in dem alle Kicker erfaßt sind.

Denn wie die anderen Arbeitslosen auch, genießt er seine derzeitige Beschäftigungslosigkeit überhaupt nicht - Peter Neururer möchte "am liebsten sofort" wieder arbeiten. Zu welchen Konditionen, glaubt er selbst bestimmen zu können. Dabei war er bisher als Coach sehr umstritten: Als er vom 1. FC entlassen worden war, da waren die einen froh, "das blöde Großmaul" endlich los zu sein, die anderen ärgerten sich über den Weggang eines "großen Trainers". Der hat jetzt nichts zu tun und ist deswegen ziemlich gestreßt.

Von Elke Wittich mehr...
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Interview Gerhard Zwerenz

»Ich beiße die Zähne zusammen, auch wenn es die dritten sind«

Zu den wenigen Schriftstellern, die es mit dem deutschen Parteiensystem und Parlamentarismus aufgenommen haben, gehört, neben Günter Grass und Stefan Heym, Gerhard Zwerenz. Für die PDS saß er, selbst parteilos, im Bundestag. Nun hat er genug von der Parlamentsarbeit, er wird nicht mehr kandidieren, sondern zu seiner schriftstellerischen Tätigkeit zurückkehren.

Zwerenz, Jahrgang 1925, war Kriegsfreiwilliger, er desertierte 1944. Aus einfachen Verhältnissen stammend, studierte er in Leipzig Philosophie, unter dem Einfluß Blochs entfremdete er sich dem System. Politisch mißliebig geworden, übersiedelte er 1957 in die BRD, er wurde durch teils politische, teils pornographische Romane populär: "Casanova oder Der Kleine Herr in Krieg und Frieden" (1966), "Kopf und Bauch" (1971), "Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond" (1973). Aufsehen erregte er immer wieder durch seine antimilitaristischen Attacken ("Soldaten sind Mörder").

Von Elke Wittich mehr...